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Geschichten vom Segeln in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Segeln" |
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Das Geheimnis der Mary Celeste |
| Am 5. Dezember 1872 sichtete David Morehouse, Kapitän auf der Dei Gratia vor den Azoren die im Zickzack treibende Mary Celeste. An Bord der Brigantine befand sich jedoch keine Menschenseele. Was hatte die Besatzung so in Panik versetzen können, dass sie ihr Schiff aufgaben? |
| Als die Mary Celeste
am 7. November 1872 in New York mit Kurs auf Genua auslief, hatte die mit 282 Tonnen
registrierte Brigantine 1701 Fässer Alkohol an Bord, mit denen, so die Ledepapiere,
"die italienischen Weine verstärkt werden sollten." Für den gottesfürchtigen
Kapitän Benjamin Briggs war dies aber kein Anlass zur Sorge, verließ er sich nicht nur
auf sein gutes Schiff, sondern auch auf die sorgfältig ausgesuchte Mannschaft. Ob es
wirklich eine jener Routinefrachten war, wird für immer ein Rätsel bleiben. Denn am 5. Dezember 1872 wurde die Mary Celeste auf 38° 20' nördlicher Breite und 17° 15' westlicher Länge in Schlangenlinien treibend von der Mannschaft der Dei Gratia entdeckt. Ihr Kapitän, David Morehouse, ließ - nachdem sein Flaggensignal zur Begrüßung unerwidert blieb - ein Beiboot aussetzen. In Begleitung eines Matrosen ruderten der erste und der zweite Offizier, Oliver Deveau und John Wright, zu dem seltsam herumirrenden Schiff. Was beide an Bord der Mary Celeste vorfanden, sollte der Stoff sein, aus dem Legenden und Mythen gemacht werden. Auf der Mary Celeste war keine Menschenseele mehr. Nur das Knirschen des Tauwerks war zu hören und das hin und her schlagende Ruder. Ansonsten Totenstille. Von Gewaltanwendung, zum Beispiel durch den Überfall von Piraten, keine Spur. Auch ein Sturm, der die Mannschaft hätte über Bord fegen können, war angesichts der vielen angeschlagenen Segel eher unwahrscheinlich. Doch was war der Grund, warum die Mannschaft offensichtlich Hals über Kopf ihr Schiff verlassen hatte? War es wegen eines Seeungeheuers oder womöglich wegen einer misslungenen Meuterei? Fragen über Fragen, weshalb in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder Gutachter und Gerichte bemüht werden mussten. Ganz entscheidend waren hier stets die Aussagen der ersten Augenzeugen, die die Mary Celeste betraten. Tatsache ist, dass die Schiffsuhr noch schlug, als Deveau und Wright an Bord gingen. An Deck fehlten die beiden Rettungsboote. Merkwürdig war allerdings, dass die vordere Luke offensichtlich gewaltsam geöffnet worden war, lag der Deckel doch etwa einen Meter neben der Öffnung. Dies mochte womöglich auch die Erklärung für den Wasserstand von einem Meter im Laderaum sein. Auch in den Offizierskajüten und in der Messe stand das Wasser in einer Höhe von 30 Zentimeter. In der Kajüte von Kapitän Briggs fand Deveau Damengepäck und in der völlig durchnässten Koje - das Oberlicht stand offen - war der Abdruck eines Kindes zu sehen, das bis kurz vor dem Panikhaften Verlassen des Schiffes hier geschlafen haben muss. Wie sich später herausstellte, waren auch die Frau des Kapitäns und deren Tochter Sophia Mathilda an Bord. Tatsache ist ferner, dass der Kassenschrank des Kommandanten unversehrt war und keinerlei Zeichen von Gewaltanwendung aufwies. Zahlreiche Untersuchungen wurden später auf der geborgenen Mary Celeste durchgeführt. Die abenteuerlichsten Hypothesen wurden aufgestellt. Am einleuchtendsten scheint jene Schilderung zu sein, die im Januar 1886 aufgrund der Zeugenaussagen kombiniert wurde: Die Fässer an Bord des Schiffes waren mit reinem Alkohol gefüllt. Da der Alkoholdampf durch die Poren des Holzes auswich, konnte es zu einer Verpuffung im Laderaum kommen. Da der Kapitän annehmen musste, das Schiff würde explodieren, gingen sie in Panik von Bord, obwohl die Segel noch gesetzt waren. Später musste die Mannschaft zusehen, wie die Mary Celeste davon segelte und sie ihrem grausamen Schicksal überließ. Segeln 1/2002 |