Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Segeln"
Auf der Suche nach dem Längengrad
Der schottische Uhrmacher John Harrison löste 1737 durch die Erfindung des Chronometers das größte Navigationsproblem seiner Zeit. Dank eines präzisen Zeitmessers war man in der Lage, den Längengrad zu bestimmen. Den Rest seines Lebens widmete der Tüftler aus Barrow der Anerkennung seiner Erfindung.

"Sauwetter", so bezeichnete Admiral Clowdisley Shovell den Nebel, der ihm zwölf Tage lang auf See zusetzte. Nach siegreichen Gefechten mit der französischen Mittelmeerflotte, waren die Herbstnebel nicht so leicht zu schlagen. Er und seine Navigationsoffiziere hatten die Orientierung verloren. Während sie sich in sicherem Abstand von der französischen Bretagne-Küste wähnten, steuerten sie in Wirklichkeit direkt auf die Südwestspitze Englands zu. Am 22. Oktober 1707 wurden die Scillys zum namenlosen Grab für über 2000 Soldaten.

Die größte Schmach in der Geschichte der Royal Navy war zugleich Höhepunkt einer über Jahrhunderte andauernden Unglücksserie, die nur deshalb nicht beendet werden konnte, da die Offiziere außerstande waren, den Längengrad zu bestimmen. Im Jahr 1714 setzte das britische Parlament im so genannten "Longitude Act" eine Belohnung von 20.000 Pfund für denjenigen aus, der eine Lösung dieses nautischen Problems präsentieren konnte.

Die Theorie des autodidaktischen Uhrmachermeisters John Harrison dazu war ebenso revolutionär wie einfach: Während man den Breitengrad durch Beobachten der Mittagssonne beziehungsweise des Polarsterns in der Nacht festlegen konnte, war der Längengrad - als abhängige Linie von Pol zu Pol - eine Frage der Zeit. Um den Längengrad herauszufinden, brauchte man ein zuverlässiges Zeitmessgerät, das in der Lage war, die Uhrzeit im Heimathafen zu bestimmen. Durch den Vergleich mit der lokalen Zeit an Bord musste eine präzise Positionsbestimmung möglich sein. Einziges Problem - alle Uhren jener Zeit gingen um mindestens 15 Minuten pro Tag falsch.

Ausgehend von dieser Theorie präsentierte Harrison am 30. Juni 1737 seine Erfindung, die 34 Kilo schwere H1, die schon bei einer Probefahrt nach Lissabon ihre Zuverlässigkeit unter Beweis gestellt hatte. Doch Harrisons Schicksal war, dass er sich als einfacher Handwerker mit den königlichen Astronomen anlegte, und diese nicht bereit waren, Harrisons Erfindung anzuerkennen.

John Harrison wurde nicht müde, seine Uhr weiter zu entwickeln. In 45 Jahren baute er nur fünf Schiffsuhren, die jede für sich ein technisches Wunderwerk waren. 1759, nach 30 Jahren Bauzeit, präsentierte er der Längengradkommission seinen 1,4 Kilogramm schweren und 13 Zentimeter großen H-4-Chronometer. Doch immer noch verweigerte man ihm die ausgesetzte Belohnung.

Erst auf Intervention von John Harris Sohn William hatte König Georg III. schließlich ein Einsehen und speiste den Erfinder mit einem Teil der Belohnung ab Die Ehre jedoch, dass seine Uhr wirklich funktionierte, wurde einem anderen zuteil. Die Kommission beauftragte den Uhrmacher Larcum Kendall, Harrisons Uhr nachzubauen. Und wenige Jahre später waren die Kendall-Chronometer an Bord eines jeden Schiffs Seiner Majestät.

Segeln 01/2003

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