![]() |
|
Geschichten vom Segeln in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "segeln" |
![]() |
| Die "Lüge" des Marco Polo |
|
Der
venezianische Händler Marco Polo reiste im Jahr 1271 mit seinem
Vater nach China - oder zumindest in das Land, das er dafür hielt.
1298 verfasste er seine legendären Reisebeschreibungen "Il
Milione". Doch schon zu Lebzeiten zweifelte man seine Berichte
an.
|
|
"Die Gebäude sind hier so riesengroß und so wertvoll. Das Gold blättert von den Zinnen und die Menschen sind in Kleider gehüllt, deren Ränder von Edelsteinen gesäumt sind. Alles ist hier so wertvoll und so schön, dass keinem Baumeister auf Erden Großartigeres einfallen konnte." Unter dem Titel "Il Milione" beschrieb der Kaufmann Marco Polo die Welt, die er bis zum Jahr 1295 über 20 Jahre lang bereist hatte. Marco Polo war keine 15 Jahre alt, als er gemeinsam mit seinem Vater Niccolo und seinem Onkel Maffeo aus Venedig aufbrach, den legendären Kaiser von China zu besuchen. Die Schiffe der Venezianer waren sehr seetüchtig und mit ihren bauchigen Rümpfen darauf eingerichtet, die Reichtümer au den fernen Ländern anzuhäufen und wieder nach Hause zu bringen. Doch schon in der Türkei mussten sie ihre Schiffe aufgeben und weiter über Land zu ihrem unbekannten Ziel reisen. Erst im Jahr 1275, etwa vier Jahre nach ihrer Abreise, erreichten sie - angeblich - den Palast des Kublai Khans in Kambaluk, der Stelle, an der sich heute Peking befindet. An der chinesischen Ostküste will Marco Polo auf einen merkwürdigen Seemannsbrauch gestoßen sein. Ehe die Einheimischen Segel setzten, ließ die Besatzung einen betrunkenen Matrosen oder einen Narren mit einem riesigen Drachen aufsteigen, um so das Schicksal des Schiffes bestimmen zu können. Stieg der Drachen steil auf, konnten die Seeleute Segel setzen. Eine glückliche Fahrt war ihnen gewiss. Blieb der Drachen auf dem Boden oder stürzte gar ab, so stand die Reise unter ungünstigen Vorzeichen und man verschob sie auf später. Über 17 Jahre lang arbeitete Marco Polo in den Diensten des Khans, ehe er im Jahr 1292 zurück in die Heimat reisen wollte. Als er drei Jahre später wieder in Venedig ankam, wurde er gefeiert. Dass seine Geschichte tatsächlich aufgeschrieben wurde, ist indes nur dem Zufall zu verdanken. 1298 geriet Marco Polo nach einem Kampf gegen Genua ins Gefängnis, wo er den ebenfalls inhaftierten Schriftsteller Rusticello bat, seine Erlebnisse in China aufzuschreiben. Doch schon zu Lebzeiten zweifelte man seine Berichte an und bis heute ist ihre Authentizität nicht geklärt. Die These, Marco Polo sei nie in China gewesen, stützt sich auf die Tatsache, dass in seinen Reisebeschreibungen weder die chinesische Mauer noch der damals schon verbreitete Buchdruck erwähnt wird. Auch fehlen in dem Werk chinesische und mongolische Bezeichnungen. War Marco Polo also womöglich ein Hochstapler? |