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Geschichten vom Segeln |
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Die letzte Reise des Donald Crowhurst |
| Im Jahr 1968 lobte die britische Tageszeitung Sunday Times 5000 Pfund für jenen aus, der am schnellsten nonstop die Welt umrundet. Dass Bernard Moitessier seinen sicheren Sieg dem Briten Robin Knox-Johnston überließ, ist Legende. Fast vergessen ist indes das tragische Schicksal von Donald Crowhurst. |
| In der Nonstop-Weltumseglung,
die die Sunday Times als Golden Globe Challenge ausgeschrieben hatte, sah er
offensichtlich seine letzte Chance: Donald Crowhurst, verheiratet und Vater von vier
Kindern, wollte endlich einmal etwas richtig machen und als Held in die Geschichte
eingehen. 1956 war er unehrenhaft aus der britischen Luftwaffe entlassen worden und hatte
sich seitdem nur mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Aber jetzt - jetzt
wollte er nicht nur berühmt werden, sondern ganz nebenbei auch noch reich. Mit dem
Preisgeld von 5000 Pfund würde er seine erdrückenden Schulden begleichen können. Und
alle würden ihn, Donald Crowhurst, endlich feiern. Am 10. Juli 1969 aber wurde klar - der Traum war in Wirklichkeit ein Albtraum, der in Verzweifelung und Wahnvorstellungen endete. Auf 33 Grad 11 Minuten nördlicher Breite und 40 Grad 28 Minuten westlicher Länge trieb der herrenlose Trimaran Teignmouth Electron in der Sargasso-See. Die Crew des britischen Postschiffes Picardy wurde nach der Bergung unfreiwillig Zeuge des tragischen Endes Donald Crowhursts. Dieser hatte an Bord zwei unterschiedlich geführte Logbücher hinterlassen. Aus ihnen war zu entnehmen, dass der Engländer monatelang die Öffentlichkeit mit seiner Teilnahme an der Nonstop-Weltumseglung getäuscht hatte. In Wirklichkeit war er mit seinem mangelhaft ausgestatteten Boot abseits befahrener Routen auf und ab im Südatlantik gesegelt und hatte mit sporadischen Funksprüchen fiktive Positionen durchgegeben. Crowhursts Odyssee in abstrakte Welten muss schon wenige Tage nach dem Start am 31. Oktober 1968 begonnen haben. Vor der Küste Portugals nämlich - das ergaben spätere Auswertungen des Lochbuchs - muss er in einem wachen Moment realisiert haben, dass sein Unternehmen zum Scheitern verurteilt war. Ungefähr Mitte November 1968 begann noch vor der afrikanischen Küste seine zweite, seine imaginäre Reise. Und je mehr sich Crowhurst in den ausführlichen Beschreibungen verstrickte, desto mehr wurde er Gefangener seines Wahns, als erster in England einzulaufen. So meldete er sich am 24. Dezember 1968 bei seiner Frau, um ihr weis zu machen, er befinde sich vor Kapstadt. In Wirklichkeit aber dümpelte er 20 Meilen vor der Küste Brasiliens. Am 19. Januar gab Crowhurst über Funk durch, dass er wegen "Generator-Problemen" erst einmal nicht mehr anrufen werde. Zu diesem Zeitpunkt war die Teignmouth Electron offensichtlich kaum noch seetüchtig. Crowhurst muss verzweifelt versucht haben, ohne die erforderlichen Werkzeuge an Bord, Lecks abzudichten und die von Beginn an versagende Selbststeueranlage zu reparieren. Die Situation spitzte sich so sehr zu, dass der am 6. März 1969 - trotz der Gefahr, als Betrüger entlarvt zu werden - einen argentinischen Hafen ansteuerte. Wochen später und viele Seemeilen weiter meldete er am 4. Mai, dass er sich an der Küste Brasiliens befände - also in weiter Führung. Eine Meldung, die wie ein Lauffeuer durch die Presse ging. England hatte einen neuen Seehelden: Donald Crowhurst! Die letzte Logbucheintragung stammt vom 23. Juni 1969. In Wortschwallen versteigt Crowhurst sich in philosophischen Erörterungen. Längst ist er nicht mehr von dieser Welt. Er schreibt von Gott, von der Zeit und der Unendlichkeit. Am 25. Juni übermittelt Crowhurst dem vorbeifahrenden Frachter Cuyahoga einen Funkspruch mit den Worten: "Alles ist in Ordnung". Als der Trimaran am 10. Juli gefunden wird, fehlt nichts. Nur der Bordchronometer - und Donald Crowhurst. Segeln 2/2002 |