Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Segeln"

Mysteriöser Tod im Gefängnis
Der 40-jährige Münchner Einhandsegler Axel Czuday galt als verschrobener Einzelgänger. 1977 bewältigte er die Nordost-, zwei Jahre später auch die Nordwestpassage. Als Segler war er über sich hinausgewachsen, als Mensch hingegen gescheitert. Im Dezember 1982 verstarb er im Gefängnis von Buenos Aires.

"Angefangen hat es damit, dass ich meinen Beruf als Flugkapitän wegen einer Krankheit aufgeben musste und nicht so recht wusste, was ich anfangen sollte. Gegen den Willen meiner Frau segelte ich mit einem Freund durchs Mittelmeer nach Gibraltar. Irgendwann hatte mein Freund genug und flog zurück. Total übermüdet durch Marathonarbeit am Boot verließ ich allein Gibraltar, Kurs Island. Mitten in der Straße von Gibraltar schlief ich unbeabsichtigt ein, und die Sue lief direkt in die Felsen, zehn Meilen östlich von Tanger. Drei Tage blieb ich auf dem Wrack und wehrte mich gegen plündernde Marokkaner mit der Leuchtpistole. Dann gab ich auf um ein Jahr später mit meinem neuen Segelboot, der Solaris, Richtung Nordostpassage zu segeln."

So war er, Axel Czuday. Ein irgendwie genialer Eigenbrötler, der sein Schicksal in die Hand nahm, auch wenn es im Prinzip aussichtslos war. Natürlich klappte auch bei seinem Törn gen Norden erst einmal gar nichts. Das Boot wurde nicht rechtzeitig fertig, er hatte schon vor der Abfahrt keinen Pfennig Geld mehr.

Dass er 1977 - übrigens ohne behördliche Genehmigung - die Nordostpassage schaffte, ist anerkanntermaßen eine seemännische Meisterleistung, wie auch die Bewältigung der Nordwestpassage zwei Jahre später. Wie er dachte, und was ihn antrieb, zeigt ein Zitat aus einem 1980 erschienenen Buch, das eine Begegnung mit dem russischen Militär beschreibt: "Ich habe kein Radar. Ich habe kein Loran. Ich habe kein Decca. Ich habe keinen Kreiselkompass. Ich habe keinen Computer. Ich habe keinen Satellitennavigator. Ich habe kein Radar. Ich bin Seemann, verdammte Russen. Kommt raus aus euren Klimakabinen, hebt eure fetten Hintern aus gepolsterten Operatorstühlen. Seht die Sterne, den Wind, die Unendlichkeit."

Seine letzte Reise trat Axel Czuday mit seiner Solaris im April 1982 an. Sein Traum, die Antarktis zu umrunden, scheiterte am Falklandkrieg und den damit verbundenen Sperrungen der argentinischen Häfen. Gemeinsam mit seiner Freundin Gitta M., vertrieb sich Czuday die Zeit mit Fahrten rund um die Hauptstadt Buenos Aires. Am 14. August 1982 kam es auf der "Americana", der so genannten "Traumstraße der Welt", zu einem tragischen Streit im Auto, in dessen Verlauf Czuday seine Freundin aus dem Auto stieß. Sie wurde von nachfolgenden Autos überrollt und getötet. Czuday wurde unter Mordverdacht festgenommen.

Von nun an widersprechen sich die Aussagen. Von Folterungen im Gefängnis ist die Rede und von zunehmender geistiger Verwirrung Axel Czudays. Fakt íst, dass er in Untersuchungshaft einen Selbstmordversuch unternahm und nach einem Sturz im Gefängnis querschnittsgelähmt im Krankenhaus eingeliefert wurde. Im Dezember 1982 starb er an den Folgen seiner schweren Verletzungen.

Segeln 02/2003

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