Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Segeln"

Seemannsgrab in Honolulu
Eine fast schon skurrile Episode europäischer Geschichte sind die Missions- und Forschungsreisen der österreichischen Kriegsmarine. Die Korvette Fasana stand von 1871 bis 1897 in Diensten des Kaisers und umsegelte mehrfach die Erde. Auf der Reise von San Francisco nach Hawaii im Juni 1892 kam es zu einem tragischen Zwischenfall.

"Der Aufenthalt in San Francisco ist bis jetzt sehr angenehm. Die Gastfreundschaft ist hier geradezu kolossal, man wird jeden Tag zu Tanzunterhaltungen eingeladen. Auch hier schreiben die Zeitungsschmierer furchtbar viel über die Fasana. An Bord geht es uns im Allgemeinen ganz gut. Wir haben in drei Touren Landgang: zu Bällen oder derartigen Unterhaltungen können jedoch 3/4 ausgehen. Die österreichischen Untertanen, die hier leben, geben zu Ehren der Anwesenheit S.M.S. Fasana einen Empfangsball, welcher nach den erhaltenen Einladungskarten und Tanzordnungen, die sehr elegant ausgefallen sind, sehr nett zu werden verspricht."

So ging's zu im anstrengenden Alltag der kaiserlichen Marine. Eine Repräsentanz reihte sich an die andere, eine Dekadenz wurde von der nächsten abgelöst. Der eigentlich für den 14. Mai 1892 vorgesehene Abschied aus San Francisco wurde nochmals um eine Woche verschoben, nicht zuletzt aus dem Grund, dass die Amerikaner an den offiziellen Repräsentanten des österreichischen Kaiserhauses einen Narren gefressen hatten. Wie bei Hofe wurden sie von einer Gesellschaft zur nächsten weitergereicht. Pikant gefüttert wurden die Klatschspalten der Presse mit Berichten über die wichtigsten Bordereignisse. Dass zum Beispiel der Offiziersdiener und Matrose 4. Klasse, Julius Janetzky, zwei Tage vor Verlassen dieses gastfreundlichen Hafens desertierte. Mit feierlichem Pomp wurde auch die Beförderung des Schiffskommandanten Friedrich Schweinsgut zum Linienschiffskapitän begangen.

Am 21. Mai schließlich verließ die S.M.S. Fasana mit einsetzendem Ebbstrom den Ankerplatz und dampfte unter der Golden Gate Brücke hindurch, um nach Erreichen der freien See die Segel mit Kurs auf Honolulu zu setzen.

20 Tage später, am 10. Juni fünf Minuten vor Mittag auf 22 Grad nördlicher Breite und 152,5 Grad westlicher Länge stürzte der Erste Offizier aufgeregt in die Offiziersmesse und meldete: "Commandant ist tot!" Im Logbuch las sich dies später so: "Wir setzten uns gerade zum Mittagessen, als der Erste mit der Hiobsbotschaft kam. Niemand wollte es glauben und lachend wiesen wir den Mann mit der Bemerkung ab, er möge andere anlaufen lassen. Doch es kam der Zweite, der Dritte und schließlich kündete die auf Halbtopp gesetzte Flagge allen die traurige Wahrheit. So entriss der unerbittliche Sensenmann den Höchsten mitten auf hoher See." Die Obduktion am 11. Juni ergab "sehnig-schwielige Herzentartung".

Für die Mannschaft galt es nun, nicht zu trauern, sondern die Pflichten gegenüber dem Toten und dem Staat zu erfüllen. Die Kessel wurden geheizt und so dampfte die Fasana mit elf Knoten nach Hawaii, wo sie vor Anker ging. Nach Erledigung aller Verhandlungen mit den Behörden wurde das Begräbnis für den nächsten Tag angeordnet.

"Wir schrieben Sonntag, den 12. Juni. Trüben Blickes schritt Mann für Mann ins Totenzimmer, um Abschied von demjenigen zu nehmen, der uns bisher ein gütiger Commandant gewesen und die Fasana getreulich um die halbe Erde geführt."

Segeln 04/2003

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