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Geschichten vom Segeln |
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| Das Ende eines Raubzuges |
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Unter
Queen Elizabeth I. entstand Ende des 16. Jahrhunderts in England ein
geheimnisvoller Club: Die Royal Navya Privateers waren adlige Gentlemen
und Kaufleute, die im Auftrage der Queen fremde Schiffe kapern sollten.
Einer der berüchtigtsten war Sir Richard Grenville.
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Wir schreiben den April 1591. Wochenlang wurden die britischen Kriegs- und Handelsschiffe auf ihren geheimnisvollen Auftrag vorbereitet. Wochenlang schleppten Fuhrwerke Proviant und Ausrüstung an die Docks von Plymouth. Vorräte für vier Monate wurden gebunkert: 530 Fässer Bier, 56 Tonnen Schiffszwieback, 16 Tonnen Schinken, 7 Tonnen Käse, 3 Tonnen gesalzene Butter, 8000 Tonnen getrocknete Erbsen und 11.000 Stück Stockfisch. Das ganze gewürzt mit Waffen Ihrer Majestät: Musketen, Schießpulver, Lanzen und Schwerter. Der Auftrag, den die sechs Kriegsschiffe und die 13 bewaffneten Frachtschiffe zu erledigen hatten, war zwar ein Staatsgeheimnis, aber eines, über das offen geredet wurde. Weil Spanien damals die ganze Neue Welt von Brasilien bis zu den Philippinen kontrollierte und anschließende den dort geraubten Reichtum in die Heimat zurück brachte, musste man nur diese Schiffe abpassen und kapern, um selbst in den Genuss der kolonialen Güter zu gelangen. Die Queen hatte nach mehreren Berichten von Spionen am spanischen Hof den Hinweis bekommen, dass im April, Mai oder Juni des Jahres 1591 der größte Silbertransport aller Zeiten über den Atlantik gebracht werden sollte. Elizabeth I. zögerte nicht und beauftragte ihren ergebenen Diener Sir Richard Grenville, die wohl schwerste Waffe auf zwei Beinen, welche die Königin aufzubieten hat. Grenville galt als verwegenste Figur seiner Zeit. Schon die Nennung seines Namens löste, so berichteten Kapitäne der spanischen Armada, Panik aus. Sein Ruf als Katholikenjäger, Freibeuter und als brutalster Seefahrer eilte ihm voraus. Über ihn erzählte man sich grauenhafte Geschichten, so etwa, dass er während eines Mahls mit gefangenen Offizieren seine Gäste damit schockierte, dass er in Weingläser biss und sie zerkaute, bis Blut aus seinem Mund lief. Sir Richard Grenville segelte - freilich ohne es zu wissen - in sein Verderben. Denn da der spanische König Philipp II. noch besser informiert war als seine englische Königskollegin, ersann er eine List. Ganz offiziell ließ er die Vorbereitungen für den Silbertransport weiterlaufen. Die angebliche Eskorte indes war in Wirklichkeit eine hochgerüstete Streitmacht. Unterdessen erreichten in der Nacht des 2. März 1591 - Grenville hatte noch nicht einmal sein Kriegsschiff Revenge bestiegen - die ersten spanischen Silberschiffe unbehelligt die Küste bei Lissabon. Wenige Wochen später ging Grenville auf die vermeintliche Beutejagd, um in einer vorbereiteten Falle zu landen. Nur ein Matrose von 18 Schiffen überlebte, der der Nachwelt von der Katastrophe berichtete. Segeln 05/2003 |