![]() |
Geschichten vom Segeln |
![]() |
|
Der eisige Tod von Sir John Franklin |
| Im Mai 1845 brach Sir John Franklin mit den Schwesterschiffen Erebus und Terror auf, die Nordwestpassage zu entdecken. Die Expedition ins ewige Eis wurde eine Reise in den Tod. Welch grausames Schicksal Franklin und seine Männer erlitten, erfuhr die Öffentlichkeit erst viele Jahre und Such-Expeditionen später. |
| Eigentlich hätte der hoch
angesehene Sir John Franklin seinen Lebensabend an der Seite seiner Frau in England
genießen können. Gerade war eer von seinem Posten als Gouverneur von Tasmanien
zurückgekehrt, doch aufs Altenteil wollte er sich noch nicht abschieben lassen. Beim
Ersten Lord der Admiralität bewarb er sich um eine Arktis-Expedition, wohl wissend, dass
jener Forscher, der als erster eine schiffbare Nordwestpassage entdecken und
kartografisieren würde, für immer einen Platz in der Geschichte der Seefahrt einnähme.
Und so stachen sie am 19. Mai 1845 in See. Knapp zwei Monate später wurden die beiden Expeditionsschiffe Terror und Erebus, die Proviant für drei Jahre geladen hatten, noch von einem schottischen Walfänger ein letztes Mal im Baffinmeer gesichtet. Was sich in den nachfolgenden Monaten und Jahren an Bord abgespielt hat, konnte nur anhand von Zeugenaussagen von Eskimos sowie Spuren und Überresten rekonstruiert werden. Drei Gräber auf Beechey Island in der Nähe des Wellington Channel beweisen, dass Franklin und seine Männer offensichtlich hier ihren ersten Winter im Eis verbracht haben. Im darauf folgenden Sommer 1846 suchten sie vergeblich einen Weg durch das Packeis. Auch nach dem Winter 1847 blieb das Tauwetter aus, das ein Fortsetzen der Expedition auf dem Wasserweg ermöglicht hätte. Im Juni 1847 - so ergaben spätere Recherchen - starb John Franklin im Alter von 61 Jahren. Und allmählich gingen die Vorräte zur Neige, sodass sich im April 1848 die rund 100 überlebenden Männer entschlossen, die Schiffe zu verlassen und zu Fuß das Festland zu erreichen. Die Aussichtslosigkeit ihrer Lage wurde von Tag zu Tag offensichtlicher. Die erschöpften und ausgezehrten Männer fielen bei ihren endlosen Gängen durch Sturm und Eis einfach tot um, wie Eskimos später erzählten. Schlitten mit ihren Habseligkeiten säumten die Spur in den Tod. In ihrer Verzweifelung ernährten sich die letzten Überlebenden sogar von den Leichen ihrer Kameraden. In den folgenden Jahren gab es unzählige Expeditionen, die den Verbleib von Sir John Franklin aufklären sollten. Alle blieben ohne Ergebnis. Als Franklins Witwe mit der Zeit erkennen musste, dass die Verdienste ihres Mannes nicht mehr ausreichten, um die Suche zu verantworten, sorgte sie selbst für eine Spendenaktion, mit der sie eine letzte Expedition finanzierte. Am 1. Juli 1857 ging eine nur 177 Tonnen schwere Yacht mit dem Namen Fox unter dem Kommando von Leopold McClintock auf die Suche nach dem Schicksal von John Franklin und seinen Männern. Und in der Tat - im Mai 1858 fand McClintock in einem Steinmal, das die verzweifelten Männer im Eis errichtet hatten, einen bestürzenden Beleg für das Ende der Franklin-Expedition: Auf die Ränder eines Routineberichts von 1847 gekritzelt stand eine Nachricht, datiert auf den 28. April 1848: "HMS Terror und Erebus am 22. April aufgegeben, nachdem sie seit dem 12. September von Eis eingeschlossen waren. Offiziere und Mannschaft, insgesamt 105 Seelen, unter Befehl von Captain F.R.M. Crozier gingen bei 60°37'42" nördliche Breite und 98°41' westliche Länge an Land." Fast 50 Jahre später, am 22. Juli 1907, tauchte die glücklose Expedition wie ein Phantom aus der Unterwelt noch einmal auf, als die entmastete Terror - offenbar von einer Eisscholle angehoben - in der Nacht von der Besatzung des britischen Dampfers Miss Roseberry gesichtet und zweifelsfrei identifiziert wurde. Segeln 6/2002 |