Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Segeln"

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Eric Tabarlys letzter Törn
Der 13. Juni 1998 ging als Fanal in die moderne Seefahrtsgeschichte ein. Bei einem simplen Manöver auf seiner 1898 gebauten "Pen Duick" ging der französische Hochseesegler und Nationalheld Eric Tabarly (66) nachts über Bord. Der allzu banale Seetod einer Legende.

Am 13. Juni 1998 um zehn Uhr morgens klingelt beim französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac das Telefon. Die Meldung, die ihm übermittelt wird, ist unglaublich, und Chirac weiß, dass sie eine ganze Nation in tiefe Trauer stürzen wird. Um 0.15 Uhr wurde der erste Notruf abgesetzt und seitdem gilt Eric Tabarly, Frankreichs lebende Segellegende, offiziell als vermisst. Über Bord gegangen während eines routinemäßigen Segelbergemanövers auf seinem Oldtimer Pen Duick in der Irischen See. Chirac alarmiert die Marine und die Luftwaffe, die tagelang nach Tabarly sucht. Doch schon nach wenigen Stunden ist klar, dass Tabarly wohl so gestorben ist, wie er gelebt hat - als Mann des Meeres.

Es geschah um 22.30 Uhr des 12. Juni. Tabarly ist auf dem Weg nach Fairlie in Schottland zu einem Oldtimertreffen. Vor Lands End entscheidet er wegen einer nahenden Schlechtwetterfront, das Großsegel zu bergen und ein Sturmsegel zu setzen. Die Pen Duick, sein 1898 nach einem Riss von William Fife gebauter "Linear Rating Cutter" rollt in dem berüchtigten Revier vor Lands End hin und her. Ein Mitsegler damals: "Eric stand auf dem Schiebeluk des Vorschiffs und war dabei, das schwere Großsegel zu bändigen, als der Fockbaum ihn mit aller Wucht an der Brust traf und ihn von Bord fegte. Sofort warfen wir einen Rettungsring. Doch wir sahen nichts mehr, nicht eine Hand vor Augen. Das Meer war zu diesem Zeitpunkt ziemlich ruppig. Der Motor war laut, so dass wir auch eventuelle Hilferufe wohl kaum orten konnten."

Zum Verhängnis wurden ihm zwei Dinge - zum einen die fehlende Reling des schmalen Vorschiffs und zum anderen die Tatsache, dass er auf seinem Oldtimer konsequent auf jegliche Art von Elektronik verzichtete. Eine Mann-über-Bord-Taste auf einem GPS-Gerät hätte ihm vermutlich das Leben gerettet, "aber", so meinte später der Hochseesegler Olivier de Kersauson, "ihm das Herz gebrochen." Und dann blieb auch noch der abgesetzte Notruf über Kanal 16 stundenlang ungehört. Erst um sieben Uhr morgens kann die Crew der Pen Duick andere Segler über den Notfall informieren. Fortan geht alles sehr schnell - auch die englischen und irischen Seeretter beteiligen sich an der Suche.

Am 17. Juli 1998 wird die Leiche Eric Tabarlys an der Südküste Irlands treibend gefunden, etwa 200 Seemeilen westlich vom Unglücksort entfernt. Bei der Obduktion wurde "Tod durch Ertrinken" festgestellt.

Segeln 06/2003

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