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Geschichten vom Segeln |
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Doppelmord auf der Appolonia |
| Im November 1982 wurde in Hamburg ein Mann zu zwei Mal lebenslänglich verurteilt, weil er bei einem Überführungstörn in die Karibik zwei Mitsegler ermordet und einen lebensgefährlich verletzt hatte. Der "Fall Apollonia" ging um die Medienwelt und ist Sinnbild für eine zwischenmenschliche Katastrophe, wie sie sich unter bestimmten Umständen an Bord eines jeden Bootes sogar wiederholen könnte. |
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Der Mann, der im Gerichtssaal regungslos sein Urteil entgegennahm, war um die 40 Jahre alt, Bartträger und etwas blass um die Nase. Dieser Mann, nennen wir ihn einfach Peter Paulsen, hatte auf einem Überführungstörn von Gran Canaria in die Karibik zwei Menschen kaltblütig ermordet und einen weiteren schwer verletzt. Eine Tat, die erst Wochen später publik wurde, weil die anderen Mitsegler ihr Wissen aus Angst vor Rache für sich behielten. Der echte Name des Mörders darf - heute im Jahr 2002 - nicht mehr genannt werden, da der Täter seine Haftstrafe inzwischen abgesessen und er einen Anspruch auf Resozialisierung hat. Geblieben ist Paulsens Tat - ein Fanal für alle Segler ... Zur Erinnerung: Der Düsseldorfer Bauunternehmer Herbert Klein wollte als Aussteiger und Yacht-Vercharterer ein neues Leben in der Karibik beginnen. Von seinem Vermögen kaufte er sich 1981 die 18 Tonnen schwere Apollonia, die zuvor noch als Wappen von Bremen der gleichnamigen Segelkameradschaft als Flaggschiff gedient hatte. Für Klein war es der Traum seines Lebens, der in Erfüllung ging. Es fügte sich, dass Klein dank seines auffälligen Besitzes wie von selbst neue Freunde fand. Im Oktober 1981 lernte Klein jenen Paulsen und dessen Freundin Raffaela Ballien auf Gran Canaria kennen, und schon bald waren die Drei sich einig - den Weg ins neue Leben wollten sie gemeinsam gehen. Paulsen wurde als Navigator angeheuert, obwohl dieser gar keine Qualifikationen nachweisen konnte. Unterdessen flog Klein nach Deutschland, wo er zwei weitere Crewmitglieder, einen Kneipenwirt und einen Studenten, über eine Kleinanzeige anheuerte. Im November 1981 lief die Apollonia von Playa Puerto Rico aus. Aber schon nach wenigen Tagen verschlechterte sich die Atmosphäre an Bord - u. a. wegen des unterschiedlichen Musikgeschmacks der einzelnen Crewmitglieder. Paulsen, der über ein gutes theoretisches Segelwissen verfügte, spielte sich mehr und mehr als Oberlehrer und Skipper an Bord auf. Zwei Fraktionen hatten sich gebildet, die nicht einmal mehr gemeinsam essen wollten. Am 13. Dezember 1981, etwa 500 Seemeilen vor dem Ziel, kam es zum Eklat, als Klein andeutete, dass Paulsen nach der Ankunft von Bord gehen müsse. Paulsens Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Nach Ende seiner Wache rief Paulsen den Eigner zu sich in die Kabine. Mit vorgehaltenem Revolver forderte Paulsen das Kommando des Schiffes ein und zwang Klein, einige Blankobögen zu unterschreiben. Anschließend "durften" Klein und seine Lebensgefährtin noch eine "letzte Zigarette" tauchen. Stundenlang bettelten sie in Todesangst um ihr Leben, doch Paulsen gefiel sich in der Rolle des gnadenlosen Kapitäns. In einem unbeobachteten Moment griff Klein sich eine Winschkurbel, um Paulsen unschädlich zu machen, der aber seinerseits den Revolver spannte und wie wild um sich schoss. Tödlich in den Kopf getroffen, sank Kleins Freundin zusammen. Auch der Student lag schwer verletzt in der Kajüte. Das Terrorregime fand kein Ende, und nur wenige Stunden später erschoss Paulsen auch noch Herbert Klein. Nach der Ankunft in Bridgetown tischte Paulsen den Behörden die Lüge auf, dass Kleins Freundin bei einem Sturm über Bord gegangen sei und Klein in seiner Verzweifelung um sich geschossen hatte, wobei auch der Student verletzt wurde. Weil die überlebenden Zeugen an Bord aber keine Aussage machten, musste die Polizei Paulsen schließlich gehen lassen. Erst Wochen nach der Rückkehr nach Deutschland vertrauten sich die Zeugen einem Anwalt an und Paulsen wurde wegen Mordes angeklagt. Segeln 7/2002 |