Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Segeln"

Orkan beim Fastnet-Race

Mit einer Rekordbeteiligung von rund 3000 Seglern auf 303 Yachten wurde am 11. August 1979 das legendäre Fastnet Race gestartet. Für 15 Segler allerdings wurde es eine Regatta in den Tod. Zwei Tage nach dem Start fegte ein Orkan über das Teilnehmerfeld in der irischen See. 194 Yachten gerieten in Seenot.

"Hohe Wellen mit überschlagender Krone. Die entstehende Gischt fliegt in weißen Streifen in Windrichtung. Die gesamte Oberfläche der See ist weiß. Schwere und hämmernde Wellenbewegungen. Eingeschränkte Sicht."

Was in der nüchternen Definition der Beaufort-Skala klingt, wie ein ziemlich ungemütlicher Tag auf See, ist in Wirklichkeit der reinste Hexenkessel. An jenem 13. August 1979 dürfte es nur die verharmloste Formulierung für eine Wetterkapriole sein, die als größte Katastrophe in der Geschichte des Segelsports endete.

Das Fastnet Race war im Rahmen des Admiral's Cups stets das alles entscheidende Rennen. Vom britischen Cowes im Solent ging es hinaus, vorbei an Land's End und den Scilly Islands bis zum Fastnet Rock vor der Südküste Irlands - und natürlich retour. Eine Herausforderung an Mensch und Technik gleichermaßen, die offensichtlich so faszinierend war, dass Jahr um Jahr mehr Teilnehmer an den Start gingen. So auch an jenem Sommertag im August 1979, als 303 Yachten bei moderaten West-Nordwest-Winden in die irische See segelten. Doch was niemand ahnte - bereits zu diesem Zeitpunkt wütete im Norden der USA ein Sturm, der eine Schneise der Verwüstung hinter sich gelassen hatte.

Erst als das Fastnet Race in vollem Gange war, gingen die ersten Wetterwarnungen über den Sender. Doch für ein Umkehren war es für die meisten bereits zu spät. Binnen Stunden peitschte sich die See zu Wellenbergen auf, die in manchen glaubwürdigen Beschreibungen 15 bis 20 Meter betrugen. Auf der 180 Seemeilen langen Strecke zwischen Land's End und Fastnet Rock kämpften Hunderte von Crews ums nackte Überleben. Mayday-Rufe drangen aus allen Kanälen. Eine der größten Rettungsaktionen in der Geschichte der Seefahrt nahm ihren Lauf.

Unterdessen spielten sich auf vielen Schiffen grausame Tragödien ab. Über 100 Yachten hatten sich ganz auf die Seite gelegt und wurden von den gewaltigen Wassermassen überspült. 70 Yachten kenterten - oft auch mehrmals - um 360 Grad. In ihrer Panik verließen einige Crews ihre Yacht, um ihr Leben einer Rettungsinsel anzuvertrauen. Besonders tragisch in diesem Zusammenhang, dass sechs Mann in einer Rettungsinsel ertranken und ihre Yacht später fast unversehrt treibend aufgefunden wurde. Insgesamt 24 Yachten wurden aufgegeben, deren Crews teilweise in lebensgefährlichen Manövern aus der Luft oder von herbeigeeilten Rettungsbooten geborgen wurden. 19 der 24 aufgegebenen Yachten wurden später wieder gefunden, fünf waren gesunken. In einem erschütternden Bericht schilderte der damals 17-jährige Matthew Shehan, wie er an Bord der Yacht Grimalkin jene schreckliche Nacht erlebte, als sein Vater David starb: "Plötzlich war er nicht mehr da. Sein Lifebelt peitschte leer an der Reling. In dieser Nacht war wohl jeder an Bord irgendwann einmal hinter dem Boot hergezogen worden, nachdem es sich nach den zahllosen Kenterungen und Überschlägen wieder aufrichtete. Man weiß einfach nicht mehr, wo man ist. Und, ehrlich gesagt, ist es einem egal. In der Panik bleibt einem keine Zeit, nicht einmal mehr zum Schreien." Sieger der Regatta wurde übrigens der bekannte Medienmogul Ted Turner auf Tenacious. Aber das war ja wohl Nebensache.

Segeln 8/2002

Übersicht über die Geschichten vom Segeln