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Geschichten vom Segeln |
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| Adel verpflichtet |
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Über
50 Jahre lang diente die 1887 bei Camper und Nicholson in Gosport/England
gebaute Amphitrite dem Adel als feudales Spielzeug. In der Geschichte
des früheren Zwei- und heutigen Dreimasters diente der Schoner
1944 sogar als Kriegsschiff ihrer Majestät.
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"Man bringe mir mein Schiff, ich möchte auf andere Gedanken kommen." Lieutenant Colonel Arthur Jocelyn Gare, 6th Earl of Arran, Kommandant der Royal Horse Guard Squadron, Brigadier des Officer's Training Corps in Irland und Mitglied des Royal Yacht Squadron in Cowes, stand der Sinn nach Segeln. Und so geschah es, wie immer, seit der Colonel 1937 die Amphitrite erworben hatte. Die Mannschaft machte sie segelklar. Doch die "guten alten Zeiten" des Herrensegelns - sie waren offensichtlich passé. Das britische Verteidigungsministerium hatte schon angekündigt, dass sie die Yacht notfalls zur Landesverteidigung einziehen werde. Entnervt verkaufte der Earl of Arran die Amphitrite an Lieutenant Arundel Evans, der damals am Royal Naval College in Dartmouth diente. Große Freude kann dieser jedoch an seinem Schiff nicht gehabt haben, denn der Krieg warf unübersehbar seine Schatten voraus. Am 6. August 1942 wurde aus der ehemaligen Yacht, die über 30 Jahre lang unter dem Stander des Royal Yacht Squadron gesegelt war, ein Kriegsschiff ihrer Majestät. Und das mit der wohl undankbarsten Aufgabe, die einer Yacht zuteil werden kann. Als Luftabwehrsperre für den Hafen von Plymouth war ihr Schicksal offensichtlich besiegelt. Der einstmals stolze Zweimast-Schoner, 1887 gebaut im Auftrage Major Donald Mac Gregors bei Camper und Nicholson, verlor seine Unschuld und seinen ganzen Stolz. Binnen weniger Stunden entfernte man Masten, Spieren und Segel, um Platz für eine Winde zu schaffen. Mit ihrer Hilfe wurden mehrer riesige Ballons über dem Rumpf festgemacht, um so Angriffe durch Tiefflieger zu verhindern. Mehrfach verfehlten Bomben die Amphitrite um Haaresbreite, doch sie überlebte diesen finsteren Tiefpunkt ihrer Karriere ebenso wie anschließend jahrelange Verwahrlosung. Aufwärts ging es mit der Amphitrite erst ab 1947 dank des selbstlosen Einsatzes von Colonel Charter, einem ehemaligen Indien-Offizier. Da dieser nur über eine geringe Rente verfügte, kam er auf die Idee, den Bleikiel zu entfernen und zu verkaufen, um von dem Erlös die nötigen Arbeiten finanzieren zu können. In einem Brief vom 20. Dezember 1949 schrieb Charter: "So fälle ich diese Entscheidung in der Hoffnung, der Amphitrite eine neues Leben zu ermöglichen." Wie recht er hatte: Heute gehört die Amphitrite - inzwischen umgerüstet zum Dreimaster - als Flaggschiff dem "Deutschen Jugendwerk zur See". Denn offensichtlich gilt: Auch Schiffs-Adel verpflichtet. Segeln 08/2003 |