Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Ein Seeteufel im Dienste des Kaisers

Felix Graf van Luckner wurde zur Legende, weil er nach um 1960 medienwirksam Telefonbucher zerriss. Der Kommandant im Dienste Kaiser Wilhelms gründete seinen Ruhm jedoch auf den Kaperfahrten, die er als Kapitän des Hilfskreuzers Seeadler unternahm.

Vor Freunden und ehemaligen Feinden Vortrage zu halten ... und die Brücke schlagen zwischen Menschen, die guten Willens sind, Friede und Freundschaft zu halten über Meere, Grenzen und menschliche Unvollkommenheiten - das sei mein Streben.

Was klingt wie die Sonntagsansprache eines Laienpredigers, war die späte Bestimmung des Felix Graf Luckner, jenes Kapitäns, vor dem man sich in der Marine Kaiser Wilhelms mit dem inoffiziellen Ehrentitel "Seeteufel" verneigte.

Der in Dresden 1881 geborene Graf Luckner wurde im Dezember 1916 Kommandant des Hilfskreuzers Seeadler, das als getarntes Handelsschiff unter Segeln Kaperfahrten auf allen Weltmeeren unternahm. Dabei ging Luckner immer nach derselben List vor. Als er ein Schiff - ob Dampfer oder Segler - sichtete, befahl er mehreren Matrosen, Frauenkleider anzuziehen in der Annahme, dass die Mannschaften der anderen Schiffe das Decksleben an Bord der Seeadler mit dem Fernrohr beobachteten. Auf diese Weise konnte sich Luckner seinen arglosen Gegnern nähern. Die beiden schussbereiten Kanonen an Bord hatte man vorsorglich als Verschlage getarnt, die aussahen wie Schweineställe. Kaum in der Nähe der Opfer, ließ Luckner einen Schuss vor den Bug geben. Meistens gaben die Gegner völlig eingeschüchtert auf.

Der Kapitän des Dampfschiffs Horngarth jedoch, das im März 1917 die Bekanntschaft der Seeadler machte, ergriff nach dem Warnschuss die Flucht. Da schallte über das Wasser der Befehl Luckners "macht die Torpedos klar", worauf der Kapitän die Maschinen stoppen ließ. Groß war die Verärgerung, als er erfuhr, dass Luckners Dreimaster gar keine Torpedos an Bord hatte. Die Horngarth jedenfalls wurde ebenso versenkt wie die beiden anderen Frachter und 13 Segler, die Luckner kaperte. Unterdessen amüsierte sich die Crew mit der Beute, die sie auf der Horngarth gemacht hatte: Unter anderem fanden sie an Bord 2000 Kisten Champagner, 500 Kisten Cognac und einen Steinway-Flügel, der sofort in die Bordkapelle integriert wurde.

Sein ritterlicher Umgang mit den Gegnern und die Tatsache, dass während der gesamten Kaperfahrten nicht ein Tropfen Blut vergossen wurde, verschaffte ihm weltweite Anerkennung. Im April 1945 verhinderte er durch Verhandlungen mit den Amerikanern die Zerstörung der Stadt Halle an der Saale. Beim Abzug der US- Truppen und der Übergabe der Stadt an die Rote Armee verlässt Luckner Halle, um fortan auf der ganzen Welt Vortrage zu halten und Bücher zu schreiben. Der "Seeteufel" stirbt am 16. April 1966.

 Segeln 8/2004

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