Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Fahrt in die Freiheit

Der Name des Schoners Amistad steht nicht erst seit der Verfilmung durch den amerikanischen Regisseur Steven Spielberg als Synonym für längst vergangenen Sklavenhandel. Er steht auch für den erfolgreichen Aufstand gegen Unterdrückung.

Freiheit bekommt man nicht, Freiheit muss man von Geburt an haben. Und falls nicht, dann muss man sich die Freiheit nehmen ", so die Aussage des Schwarzafrikaners Sengbe Pieh vor dem amerikanischen Gericht auf die Frage, was ihn denn zu dem Aufstand auf der Amistad getrieben habe. Eine Aussage, die Amerika veränderte und mit der man auch heute noch viele Handlungsweisen der Großmacht zu erklären sucht ...

Rückblick in den Juni 1839. Die Verhältnisse an Bord des Schoners sind unerträglich. Es ist heiß, die See vor der kubanischen Küste spiegelglatt. Wie Vieh zusammengepfercht hocken über 50 Afrikaner im Laderaum des Schoners.

In einer historischen Beschreibung heißt es: "Exkremente schwappen über den Decksboden wie in einem Schlachthaus. Einige der Sklaven sind angekettet und können ihre Notdurft nur an Ort und Stelle verrichten." Die Amistad hat Kurs auf Puerto Principe genommen, wo die "Ladung" gelöscht werden soll. Der Kapitän, häufig unaufmerksam und angetrunken, merkt jedoch nicht, dass sich eine Meuterei zusammenbraut.

In der Nacht des 28. Juni schließlich entlädt sich der aufgestaute Hass. Die Sklaven bringen die Mannschaft in ihre Gewalt, töten den Kapitän und befehlen dem Steuermann Pedro Montes, die Amistad zurück in die Heimat Afrika zu steuern. Pedro Montes vor Gericht: "Schon drei Tage lang merkte man an Bord, dass irgend etwas passieren würde. Aber mit einer Meuterei rechnete niemand. In jener Nacht war es sehr dunkel und ich hörte plötzlich jemanden 'Mord' schreien. Sofort wurden wir von den Schwarzen gefesselt. Auch ich sollte getötet werden, doch brauchten sie mich als Steuermann."

Schon nach wenigen Tagen war die Flucht gescheitert. Ein amerikanisches Kriegsschiff brachte die Amistad auf, und die meuternden Sklaven wurden vor Gericht gestellt. Damit auch das Gerichtsurteil wunschgemäß ausfiel, teilte man den Sklaven den als besonders schwarzenfeindlich bekannten Richter Andrew Judson zu. Der war 1831 zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt, weil er eine junge Lehrerin zu einer Gefängnisstrafe verurteilte, da die sie schwarze Mädchen in ihrer Dorfschule aufgenommen hatte. Doch Richter Judson ­wie auch die Geschworenen - durchlebten in dem Aufsehen erregenden Prozess eine wundersame Verwandlung: Obwohl sie des Mordes und der Meuterei angeklagt waren, wurden die Sklaven freigesprochen und nach Afrika zurückgebracht.

 Segeln 9/2004

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