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Geschichten vom Segeln |
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| Das Floß der Medusa |
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Im
Jahr 1816 geriet die französische Fregatte Medusa vor
der afrikanischen Küste in Seenot. Während die Offiziere
sich mit Beibooten in Sicherheit brachten, überließen sie
150 Menschen auf einem eilig zusammengezimmerten Floß ihrem
entsetzlichen Schicksal.
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"Diejenigen, die der Tod verschont hatte, stürzten sich gierig auf die toten Körper, die das Floß bedeckten, schnitten sie in Stücke, und einige verzehrten sie sogleich. Ein großer Teil von uns lehnte es ab, diese entsetzliche Nahrung zu berühren. Aber schließlich gaben wir einem Bedürfnis nach, das stärker ist als alle Menschlichkeit." So die grauenhafte Zeugenaussage des Schiffsarztes Henri Savigny nach seiner Rettung. Doch statt einer erhofften Entschädigung wurde er aus dem Staatsdienst entlassen und mit einer Gefängnisstrafe belegt. Henri Savigny hätte es kaum ahnen können, als die französische Fregatte Medusa - sie galt als das modernste und schnellste Schiff ihrer Zeit - im Sommer 1816 gen Senegal aufbrach. Die Medusa stand unter dem Kommando von Hugues du Roy de Chaumareys, dessen Königstreue mit einem Kapitänsposten belohnt worden war, obwohl er keine nautische Erfahrung besaß. Es kam, wie es kommen musste: Durch Navigationsfehler und Unfähigkeit der Schiffsführung lief die Medusa nur zwei Wochen nach ihrer Abreise aus Frankreich bei ruhiger See und guter Sicht auf die in sämtlichen Seekarten verzeichnete Arguin-Bank vor der afrikanischen Küste auf. Tagelang bemühte man sich, das Schiff wieder flott zu kriegen, doch die Medusa war dem Untergang geweiht. Der Kapitän ordnete an, das Schiff zu räumen. Da es jedoch nicht für alle 400 Menschen an Bord Rettungsboote gab, mussten die niederen Ränge mit einem notdürftig zusammengezimmerten Floß vorlieb nehmen. Angeblich wollten die Offiziere das Floß an Land schleppen, doch schon nach zwei Stunden wurden die Taue gekappt und die 150 Menschen an Bord ihrem Schicksal überlassen. In der ersten Nacht verschwanden 20 Matrosen, in der zweiten starben weitere 65 Männer. Die Geretteten behaupteten, eine Meuterei sei ausgebrochen. In Wirklichkeit wurde wohl die Konkurrenz beim Überlebenskampf minimiert. Nahrungsmittel gab es schon nach einem Tag nicht mehr, der Wasservorrat war über Bord gegangen. Was übrig blieb, waren einige Fässer Wein. Nach einer Woche lebten noch 28 Männer, über die der Schiffsarzt Henri Savigny später schrieb: "Von dieser Zahl schienen nur 15 imstande, einige Tage weiter zu existieren. Alle anderen waren mit schweren Wunden bedeckt und hatten ihren Verstand verloren. Nach langer Beratung beschlossen wir, sie ins Meer zu werfen." 13 Tage nach der Havarie wurden 15 Matrosen der Medusa von der Mannschaft der Brigg Argus geborgen, aber nur zehn überlebten die Odyssee. In Frankreich wurde zunächst versucht, das Verbrechen zu vertuschen. Doch als Henri Sauvigny für seine Zeugenaussage im Gefängnis landete, nahm sich die Presse des Falles an. Unter diesem Druck wurden der Kriegsminister sowie 200 Offiziere unehrenhaft entlassen. |