Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Untergang im Hafenbecken

Sie sollte der Stolz der schwedischen Marine sein, aber sie wurde zum Symbol für Größenwahn und Realitätsverlust: Am 10. August 1628 sank die Vasa, das prunkvolle Kriegsschiff Gustav Adolf II. während der Auslaufparade zur Jungfernfahrt. 50 Seeleute starben.

„Noch eine Minute, eine einzige Minute“, so versuchte der schwedische Hobby-Archäologe Anders Franzen seine drohende Niederlage immer noch ein bisschen herauszuzögern. Seit Jahren ging der Mann, der landauf, landab aus schwedischen Hafenbecken Gerümpel aller Art herausfischte, den Behörden gehörig auf die Nerven, gab er doch an, das legendäre Kriegsschiff Vasa finden zu wollen.

Doch statt der Galeone mit drei Kanonendecks, die 1628 wahrend des Auslaufens zur Jungfernfahrt im Hafen von Stockholm unterging, fand er während seiner mehrmonatigen Suche mal ein Fahrrad, mal ein paar Autoreifen. Von der Vasa aber keine Spur. In dem Moment, als die Suche definitiv abgebrochen werden sollte, rief Taucher Edvin Falting über Funk: "Hier ist Holz, hier liegt viel Holz." Die Sensation war perfekt. Fast 333 Jahre nach ihrem spektakulären Untergang wurde die Vasa am 14. April 1961 geborgen.

Wie kam es zu der Katastrophe, die nicht nur 50 Seeleuten das Leben kostete, sondern auch die schwedische Marine der Lächerlichkeit preisgab? Schließlich war die Vasa das größte und prunkvollste Kriegsschiff, das die Ostsee je gesehen hatte bzw. sehen sollte. Auf der Überführungsfahrt ins zehn Seemeilen entfernte Vaxholm herrschte ausgelassene Stimmung, als Kapitän Sofring Hansson den Befehl gab, Segel zu setzen. Das Unglück nahm seinen Lauf, denn schon eine leichte Brise drückte die Vasa flach auf die Seite. Noch ehe die Segel wieder eingeholt werden konnten, brachte eine weitere Brise das Kriegsschiff zum Kentern. Durch die Geschützluken drang Wasser ein und das Schiff ging binnen weniger Minuten unter.

Eine Untersuchungskommission, deren Protokolle heute noch vorliegen, sollte den Grund für den Untergang der 100.000 Reichstaler teuren Galeone herausfinden. Und tatsächlich war der Hauptschuldige schnell gefunden. König Gustav Adolf Il. selbst hatte die Anweisung gegeben, die Baupläne so zu verändern, dass ihr Rumpf schlanker wurde und so schneller segeln sollte. Doch was der selbsternannte Bootsbauer dabei vergessen hatte, war die Tatsache, dass das Schiff nun den erforderlichen Ballast von 400 Tonnen nicht mehr aufnehmen konnte. Als die Vasa gefunden wurde, hatte sie tatsächlich nur 150 Tonnen Ballast an Bord. Außerdem lag der Schwerpunkt durch die 64 Geschütze viel zu hoch. Obwohl bekannt war, dass die Vasa nur 30 Meter tief sank, geriet die Unglücksstelle in Vergessenheit. Bis Anders Franzen kam. Seit 1990 ist die Vasa im gleichnamigen Museum in Stockholm zu besichtigen.

 Segeln 11/2004

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