Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Segeln"

Eine schwimmende Bühne
Armut und Hunger in der Heimat waren nichts gegen das Leid, das die ersten Auswanderer Mitte des 19. Jahrhunderts ertragen mussten. Nur wenige konnten den Verhältnissen an Bord etwas Positives abgewinnen. Einer von ihnen war der irische Dichter Tyrone Power.

"Wie kann das Leben doch angenehm sein. Wenn die Glocke des Stewarts zum Frühstück ruft, dann ist dies die Aufforderung zu einem neuen Abenteuer, das mit Eiern und Speck beginnt, sich mit einer Partie Whist fortsetzt, um dann den Tag in angenehmer Gesellschaft der Damen zu verbringen."

Der irische Dichter Tyrone Power beschreibt 1833 sein elitäres Leben auf dem Paketschiff Europe, das so anders war als das tägliche Elend seiner Landsleute. Diese mussten sich im Gegensatz zu ihm mit katastrophalen hygienischen Verhältnissen, mit Krankheiten und Hunger auseinandersetzen. Während die Passagiere in den Deckskabinen durchaus "angemessen" in die Neue Welt reisten, regierten in den Zwischendecks Hunger, Krankheit und Elend. Der Schriftsteller Hermann Melville, der eine Zeitlang als Matrose auf einem Auswandererschiff fuhr, brachte die Zustände auf den Punkt: "Wenn man den Kopf durch die Vorderluke steckte, konnten man meinen, man halte ihn in eine plötzlich geöffnete Jauchgrube hinein."

Tyrone Power schien das Elend zu übersehen. Immer um sechs Uhr morgens kam er aus seiner Einzelkabine und eilte in Baumwollunterhosen an Deck, wo ihn ein Seemann mit ein paar Kübeln Seewasser übergoss, was er bei jedem Wetter offensichtlich genoss: "Es lohnt sich, sein Leben lang stumpfsinnig vor sich hin zu vegetieren, nur um einmal an Bord eines solchen Schiffes den Atlantik zu überqueren." Eine Meinung, die die anderen irischen und englischen Auswanderer eher nicht teilten.

Choleraepidemien waren an der Tagesordnung. Grundsätzlich gingen die Kapitäne davon aus, dass rund zehn Prozent der Passagiere ihr Ziel nie erreichten. Ein kanadischer Regierungsinspektor beschrieb die Verhältnisse an Bord in einem Bericht: "Knochen, Lumpen und menschliche Notdurft überall. Die Toilettenkübel waren übergelaufen. Wasser zum Waschen gab es nicht. Viele Menschen weisen an ihren Körpern ekelhafte, schwarze Pocken auf und haben Fieber. Leichen werden einfach über Bord geschmissen. Genauso wie ihr Hab und Gut, das jedoch - zumindest in Küstennähe - an die Ufer gespült wird. So breiten sich die Krankheiten immer mehr aus."

Tyrone Power muss dies alles übersehen haben. Er blieb sein Leben lang Dauergast auf den Schiffen und gab jeden Morgen eine laute Deckslesung aus klassischen Werken.

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