Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Die schwarze Perle

Es gibt kein Superlativ, das in der Lage wäre, den Luxus zu beschreiben der an Bord des Motorseglers "Magarita" herrschte. Pompöse Möbel, Antiquitäten aus vielen Jahrhunderten und vergoldete Treppenhäuser. Ein schwimmender Palast, der 1947 verschrottet wurde.

Timothy Bolden gehörte zum Inventar der Magarita, seit sie im Jahr 1900 in England bei George L. Watson vom Stapel lief. Schon damals galt sie als das "schönste Vergnügungsschiff auf allen Wassern", was nicht zuletzt sein Verdienst war. Denn Timothy Bolden war eigentlich Antiquitätenhändler, hatte aber an Bord des Schiffes seines Chefs, dem amerikanischen Bankmagnaten Anthony J. Drexel, genauso viel zu sagen wie der jeweilige Kapitän. Bolden war der Herrscher über den - teilweise sicher zweifelhaften - Zeitgeschmack. Was Bolden sagte, war dem Teilhaber des Bankhauses J. P. Morgan grundsätzlich Befehl.

Schon wahrend des Baus wurde nicht gespart: Schöner, größer, teurer - so lautete die Devise des verwöhnten Eigners. Die Maschine musste dieselbe Leistung erbringen wie das 50.000 Tonnen schwere Passagierschiff Britannic. Ein Rumpf mit doppelter Außenhaut war für damalige Verhältnisse nicht nur ein teurer, sondern auch aus Sicht der Konstrukteure überflüssiger Spaß. Über 100.000 Pfund, eine für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe, soll Drexel für die Yacht mit Eismaschine, druckbelüftetem Ventilationssystem und Dampfheizung ausgegeben haben. Und er brachte mit seinen Wünschen - das ist überliefert - alle Beteiligten zur Verzweiflung.

Nur ein Mann blieb von den exzentrischen Attacken völlig unbehelligt - Timothy Bolden. Der Mann, der aus ärmlichen Verhältnissen stammte, schwelgte im Auftrag seines Bosses im Kaufrausch. Im Speisesaal der Magarita wurden wertvolle Standuhren, ein Piano, ein offener Kamin und antike Büfetts aus Frankreich installiert und mit entsprechendem Porzellan dekoriert. Bei jeder Ausfahrt wurden später die Teller einzeln in Kisten verpackt, so dass es Stunden dauerte, ehe die Magarita auslaufbereit war. Möbel im Empirestil schmückten die Bibliothek, der Salon war im Louis XV. Stil gehalten. Die Treppenhäuser waren allesamt mit vergoldeten Balustraden versehen, und im Schlafzimmer standen ganze Galerien von antiken Spiegelschränken. Doch nur elf Jahre lang hatte Drexel Spaß an seinem Spielzeug. Danach verkaufte er die Magarita an den Marquess von Anglesey, der den "weißen Schwan" schwarz anstreichen ließ. Auf den Namen Semiramis umgetauft, kreuzte die Yacht bis in die 30er-Jahre im Mittelmeer. Das Ende der Yacht geriet eher unrühmlich: Sie diente als plüschiges Studio für mehr oder weniger geschmackvolle Fotografien. Nach einem Intermezzo als Charteryacht wurde sie 1947 einfach abgewrackt.

Segeln 1/2005

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