Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Das Ende einer Ära

Teurer, schneller, größer – im ausgehenden 19. Jahrhundert war es auch nicht anders als heute. So galt auch der Gaffelschoner Mohawk als „Königin des New Yorker Hafens“. Bis zu jenem stürmischen 20. Juli 1876, als mit der Yacht eine ganze Ära zu Ende ging:
 

Sie ist wie ein fliegender Schwan“, schwelgte noch 1875 der Chronist des New Yorker Yacht Clubs in den Clubannalen über die Yacht des Textilmagnaten William Garner. In der Tat konnte man angesichts der Ausmaße der Mohawk wirklich ins Schwärmen geraten: 42,70 Meter lang, 9,10 Meter breit. Ausgestattet mit einem Rigg, das unter Vollzeug gut 1860 Quadratmeter Segel tragen konnte.Wahrhaft ein Schwan, wenn auch ein sterbernder. Denn was dem Augenschein verborgen blieb, war das Unterwasserschiff. Bei aufgeholtem Schwert betrug der Tiefgang der Mohawk nicht einmal zwei Meter.  Ein Umstand, der der „Königin des New Yorker Hafens“  zum Verhängnis werden sollte.

Am 20. Juli 1876 verspürte William Garner den Wunsch, trotz des bewölkten Himmels zusammen mit seiner Frau am Nachmittag einen kleinen Segelausflug zu unternehmen.   Gegen 16.00 Uhr gab er seinem Kapitän Oliver Rowland die Anweisung, die Segel zu setzen. Und Stewart Jonathan hieß er, den High Tea unter Deck anzurichten, da es sich seine Frau schon im Salon bequem gemacht hatte. Ruppige Böen zerrten unterdessen an der bei Staten Island vor Anker liegenden Mohawk.

Wie immer wurden zunächst die Segel gesetzt und dann erst der Anker gelichtet. Das Schwert war zu diesem Zeitpunkt aufgeholt. Plötzlich fiel eine harte Windböe ein und die Mohawk legte sich flach aufs Wasser. Offensichtlich hatte man die Schoten bereits belegt. In Panik versuchte der Kapitän Segel zu bergen und tatsächlich richtete sich die Yacht noch einmal auf, ehe eine zweite Böe sie – immer noch am Anker gefesselt – nun mit dem Bug unter die Wellen drückte. Tonnenweise Wasser strömten durch den Niedergang. Unter Deck stürzten nicht nur die Möbel durch den Salon, sondern auch die 75 Kilogramm schweren Ballastgewichte wurden durch den Raum geschleudert. Dabei wurde Mrs. Garner eingeklemmt. Die Lage wurde immer dramatischer. Das Schiff war nicht mehr zu retten. Und der 36jährige William Garner versuchte nur noch mit drei Freunden seine Frau zu befreien. Doch das Schiff sank so schnell, das auch die Retter in der Kajüte ertranken.

Mit der Mohawk ging auch eine Ära zu Ende. In der Seegerichtsverhandlung wurde festgestellt, das im Wesentlichen ein Konstruktionsfehler vorlag. Die Stabilität der Yacht war mit aufgeholtem Schwert viel zu gering. Schoner mit flachem Unterwasserschiff wichen  fortan Yachten mit großem Tiefgang.

segeln 02/2006

Übersicht über die Geschichten vom Segeln