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Geschichten vom Segeln in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln |
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Der Zorn Gottes |
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Einen besseren
Drehbuchautor als die Wirklichkeit könnte man sich kaum vorstellen: Der
legendäre Weltumsegler und Philosoph, Bernard Moitessier, segelt 1978
gemeinsam mit dem verrückt-genialen Schauspieler Klaus Kinski – und erleidet
Schiffbruch… |
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Moitessier – mehr muss man eigentlich gar nicht sagen. Sein Name ist Programm, seine Bücher fast schon Weltliteratur: „Der logische Weg“ oder „Vagabund der Meere“ gehören zur Pflichtlektüre für jeden Blauwassersegler. Seine rote Stahlketsch Joshua gilt als das Seeschiff schlechthin. Kaum vorstellbar, dass ausgerechnet der Mann, der den Begriff „Seemanschaft“ neu definierte, vor der Küste Mexikos strandete und dabei sein geliebtes Schiff verlor. Es geschah im Jahr 1978 – Bernhard Moitessiers Bordkasse war wie schon so oft in letzter Zeit völlig leer. Ein neues Buch zu schreiben, hatte er sich vorgenommen, begleitet von einer Vortragsreihe in den USA, um seine finanzielle Situation zu verbessern. Vor Ort bestätigen sich seine Befürchtungen, in der kapitalistischen Welt zu versagen. Statt hochdotierte Vortragsreihen zu geben, unterrichtet er lieber kostenlos Kinder in der „Kunst des Segelns“. Wie aus heiterem Himmel bekommt er ein Angebot – für unglaubliche 30.000 Dollar soll er mit einem Deutschen an Bord nach Tahiti zurücksegeln und ihm unterwegs ebenfalls das Segeln beibringen. Ein scheinbar perfekter Handel; allerdings handelte es sich bei dem „Passagier“ um keinen Geringeren als den exzentrischen Schauspieler Klaus Kinski. Ein Mann, der schon etliche Regisseure und Kollegen durch seine unkalkulierbaren Temperamentsausbrüche in den Wahnsinn getrieben hatte. Filme wie „Aguirre, der Zorn Gottes“ (1972) oder „Nosferatu“ (1977) standen wegen Kinski kurz vor dem Scheitern, wurden aber auch nur seinetwegen zum Erfolg. Und mit diesem Mann sollte er seinen Frieden an Bord der Joshua teilen? Nur wenige Tage vor dem Ablegen sagte Kinski den Törn jedoch ab, wegen anstehender Dreharbeiten. Um dann doch wieder zuzusagen. Doch statt bis Tahiti wollte Kinski nur noch bis Mexiko mitsegeln. Was sich an Bord zwischen den beiden ungleichen Charakteren abgespielt hat, ist bis heute ein gut gehütetes Geheimnis. Tatsache ist nur, dass Klaus Kinski dem stillen Franzosen offenbar sehr vertraute. Als die Joshua vor der Küste Mexikos in Seenot geriet, befahl Moitessier seinem Passagier, von Bord zu springen und sich an Land zu retten. Moitessier alleine wollte seine Ketsch freisegeln, was jedoch mißlang. Schließlich musste er sein Schiff doch aufgeben und konnte nur noch vom Strand aus zusehen, wie die Joshua auf den Felsen zerschellte. Moitessier und Kinski blieben auch nach diesem Drama zeitlebens gute Freunde. segeln 03/2006 |