Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Süßes Geheimnis

Das 16. und 17. Jahrhundert galt als Hochzeit der Piraterie. Männer wie Edward Teach, besser bekannt als Blackbeard, oder Calico Jack waren die Geißel der Handelsschifffahrt. Als besonders blutrünstig und brutal galt eine gewisse Mary Rackam, die, als Mann verkleidet, ihrem Berufsstand alle Ehre machte. Bis sie auf Jamaika geschnappt wurde…

Das 16. und 17. Jahrhundert galt als Hochzeit der Piraterie. Männer wie Edward Teach, besser bekannt als Blackbeard, oder Calico Jack waren die Geißel der Handelsschifffahrt. Als besonders blutrünstig und brutal galt eine gewisse Mary Rackam, die, als Mann verkleidet, ihrem Berufsstand alle Ehre machte. Bis sie auf Jamaika geschnappt wurde…

Sie mordete so skrupellos wie ihre männlichen „Kollegen“. Es bereitete ihr „höchstes Vergnügen“ , wie sie später in ihrem Prozess zugab, „den Kopf eines Gegners bis zum Kinn mit einem Schwert zu spalten.“ Mit Mary Rackam war wirklich nicht gut Kirschen essen. Geboren wurde sie vermutlich 1695 als Tochter einer Frau „in zweifelhaften Verhältnissen“. Diese trauerte um ihren verstorbenen Sohn und steckte das Mädchen von Geburt an in die Bekleidung des Jungen. Schnell stellte Mary fest, dass es für sie durchaus leichter war, so ihren Weg in der Welt der Männer zu machen. Sie verkleidete sich als Seemann und heuerte auf einem holländischen Handelsschiff an. Als dieses von Piraten aufgebracht wurde, wechselte sie die Seiten. Sie und eine weitere Piratin, Anne Bonny, galten fortan als Schrecken der Karibik.

Bis zu jenem Oktober 1720, als sie vor der Küste Jamaikas vor Anker gingen, wo sich die Piraten sinnlos volllaufen ließen. Als sie von einem Schiff der Royal Navy überrascht wurden, hatten sie – betrunken wie sie waren – keinerlei Gegenwehr zu bieten. Bei dem unmittelbar danach stattfindenden Prozess wurden die beiden Frauen ebenso zum Tode verurteilt wie acht weitere Piraten. Als der Richter sie fragte, ob sie noch etwas zu sagen hätten, antworteten die beiden: „Mylord, wir bringen unsere Bäuche vor“, sprachen es und entblößten sich vor Gericht. Eindeutig konnte man erkennen, dass beide Piratinnen schwanger waren. Der Richter setzte die Vollstreckung sofort aus, da nach englischem Recht kein ungeborenes Kind getötet werden durfte, „gleichgültig, wie schuldig die Mutter auch sei…“


Geschichten vom Segeln 04 / 07

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