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Geschichten vom Segeln in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln |
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Fahrt in den Atompilz |
| Einen der Aufsehen erregendsten Segeltörns aller Zeiten unternahm der kanadische Geschäftsmann David McTaggert im Sommer 1972. Mit seiner Zwölf-Meter-Yacht Vega segelte er in die Sperrzone des Moruroa-Atolls, in dem Frankreich Atomwaffen testete |
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BALLON GESTERN ABEND ÜBER MORUROA AUFGESTIEGEN. STOP. GREENPEACE SECHZEHN MEILEN NORDOSTWÄRTS. STOP. SITUATION ERSCHRECKEND. BITTE BETEN. Ein Funkspruch, der im Juni 1972 um die Welt ging. Alle sprachen über jenen ebenso mutigen wie verzweifelten Mann aus Kanada, der es unter Einsatz seines Lebens wagte, die Grande Nation Frankreich zu provozieren und bloßzustellen. Mit einem kleinen Segelboot hatte er sich ins Sperrgebiet gewagt, in dem die Franzosen regelmäßig überirdische Kernwaffenversuche durchführen ließen. Und der nächste Test stand unmittelbar bevor. Über einen Zeitungsartikel hatte McTaggert erfahren, dass eine lose Aktivisten-Gruppe namens Greenpeace jemanden suchte, der es mit seiner Yacht wagen würde, in das Testgebiet zu segeln. Gerade hatte McTaggert mit seiner Baufirma eine Pleite hingelegt und glaubte, nichts mehr verlieren zu können. Warum also nicht einer überheblichen Regierung die Stirn zeigen? Nach nur kurzer Vorbereitungszeit segelte er mit seiner zwölf Meter langen Vega am 1. Juni 1972 tatsächlich mitten in die Sperrzone und ging rund 16 Seemeilen von der Testinsel entfernt auf Position, genau in der voraussichtlichen Bahn des Fallouts, dem radioaktiven Niederschlag. Und in der Tat – Mitte Juni entdeckte McTaggert den Ballon, mit dem die Zünderbombe über den Luftraum gebracht werden sollte. Ein Täuschungsmanöver der Franzosen, das die Crew der Vega einschüchtern sollte. Schon einen Tag später bäumte sich vor dem Bug der Vega das französische Minenräumboot La Bayonaise auf und forderte McTaggert auf, das Gebiet unverzüglich zu verlassen. Dieser kümmerte sich nicht um die martialischen Gebärden und kreuzte in dem Gewässer unverfroren auf und ab, so dass Frankreich zwei weitere Kriegsschiffe aufbot, um mit der Vega fertig zu werden. Ganze acht Tage lang dauerte das weltweit beobachtete Katz-und-Maus-Spiel. Am 30. Juni schließlich führte Frankreich seinen Test durch. Um zu verhindern, dass McTaggert in die Sperrzone segelte, rammten sie mit einem Minenräumboot die Vega, die schwer beschädigt wurde. Doch mittelfristig hatte McTaggert sein Ziel erreicht – im Jahr 1974 erklärte Frankreich die Kernwaffenversuche für beendet. 1979 gründete McTaggert die internationale Umweltorganisation Greenpeace, deren Vorsitzender er bis 1991 war. segeln 05/2005 |