![]() |
|
Geschichten vom Segeln in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln |
![]() |
|
Im Smoking an der Pinne |
|
Seine Ärzte gaben ihm nur noch wenige Monate, als der krebskranke Francis Chichester im Sommer 1966 mit seiner Gipsy Moth IV zu seiner legendären Weltumseglung aufbrach. 29630 Meilen in 226 Tagen mit nur einem Zwischenstopp in Australien |
|
Der Logbucheintrag vom 17. September 1966 – es ist Chichesters 65. Geburtstag – spricht Bände über einen Mann, der eigentlich keine Zukunft mehr hatte und der durchaus damit rechnete, dass seine Krebserkrankung ihn unterwegs besiegen würde*: „Nun, da bin ich, sitze mit einer Champagnerflasche in der Plicht…und bin voll getakelt: Smoking, schmucke neue Hosen, schwarze Schuhe usw. Das einzige Versehen: Ich habe meine Smokingschleife vergessen und muss mich deshalb mit einer gewöhnlichen schwarzen Krawatte begügen. Ich habe diesen Smoking sechsmal in der Gipsy Moth III über den Atlantik gefahren, in der Absicht, eines Abends in voller Gala zu speisen. Aber heute trage ich ihn zum ersten Male tatsächlich…Der Abend ist wundervoll still, das Boot läuft sieben Knoten, die See ist ruhig, fast tischeben – ein wundervolles Gefühl…“ Noch bevor Francis Chichester mit dieser Weltumseglung Geschichte schrieb, machte er sich als Pilot einen Namen. 1931 flog er als Erster mit einem umgebauten und auf den Namen Gipsy Moth getauften Wasserflugzeug allein in Ost-West-Richtung über die Tasmansee. Noch im selben Jahr flog er – wiederum als Weltpremiere – mit einem Wasserflugzeug von Australien nach Japan, ein Unternehmen, das er fast mit seinem Leben bezahlte, als er mit einer Stromleitung kollidierte. Als das Fliegen seiner Meinung nach immer weniger Pioniergeist erforderte, wandte er sich dem Einhandsegeln zu. Und das trotz angeschlagener Gesundheit. 1958 hatte man bei ihm ein Lungenkarzinom festgestellt. Die Ärzte gaben ihm keinerlei Hoffnung. Trotzdem brach er 1960 zur Einhandregatta von Plymouth nach New York auf, die er in Rekordzeit gewann. Segeln als Therapie gegen seine Krankheit – auch bei der Weltumseglung 1966 sollte sie sich bewähren. Francis Chichester: „Dies ist wohl eine der großartigsten Nächte meines Lebens. Ich habe eben den Sechstagerekord aller Alleinfahrer um 100 Meilen überboten und denke voll herzlicher Liebe an meine Familie… Ich bin sicher, niemand weiß besser als ich, dass meine Zeit begrenzt ist… Unser einziger Zweck im Leben, wenn wir überhaupt etwas sagen können, besteht doch darin, das Beste zu tun, was man kann, in jeder Hinsicht.“ Nach seiner Rückkehr ist Chichester ein Star: Königin Elizabeth II. schlägt ihn 1967 mit jenem Schwert zum Ritter, das einst Sir Francis Drake gehörte. Chichester starb im Jahr 1971. |
|
|