Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Der Kontrakt des Zeichners

Botaniker aus aller Welt dürften die Zeichnungen exotischer Pflanzen und Früchte aus
so manchem Lehrbuch kennen. Über 1300 Bilder und Skizzen schuf Sydney Parkinson
auf der ersten Expedition von James Cook. Für den Künstler war es eine Reise ohne Wiederkehr – er starb 1770 an einer Epidemie. Knapp 200 Jahre lang blieb sein Werk unentdeckt

Die größten Feinde waren die Malaria, Tuberkulose und die Ruhr. Jeden Tag raffte es weitere Männer aus der Mannschaft dahin. Doch die Endeavour konnte nicht das Weite suchen. Ihre Planken waren nach zweijähriger Expedition durch exotische Reviere so von den Korallen angegriffen, dass sie an manchen Stellen nur noch drei Millimeter dick waren. Während die Matrosen vor Australien den Rumpf notdürftig flickten, fuhren die Gelehrten in Booten die Küste am Great Barrier Riff ab.

Unter ihnen auch der 23jährige Sydney Parkinson, der Sohn eines bankrotten schottischen Brauereibesitzers. Der scharf beobachtende, wissenschaftliche Zeichner hatte sich schnell einen Namen im Stab der Expedition gemacht, war er doch in der Lage, präzise Gestalt, Größe und Färbung der fremden Pflanzen und Früchte zu erfassen.

Nicht selten war es ein Wettlauf mit der Zeit. Angesichts tropischer Hitze gingen die Modelle sehr schnell in Verwesung über. Fische und Tiere waren nicht selten über und über mit Fliegen bedeckt, so dass Parkinson unter quälenden Verhältnissen arbeiten musste. Und das ohne Unterlass. In knapp zwei Jahren auf der Endeavour schuf er über 1300 Zeichnungen und Gemälde. Auf der Rückreise nach England starb Parkinson an einer an Bord grassierenden Ruhr-Epidemie. Sein Nachlass erreichte zwar die Heimat, geriet aber in Vergessenheit. Erst über 200 Jahre später wurde sein Werk von Botanikern veröffentlicht.


Geschichten vom Segeln 05 / 07

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