Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Doppelte Buchführung

Nach wie vor gilt der Genueser Christoph Columbus als Entdecker Amerikas. Im Auftrag der spanischen Königin Isabella von Kastilien kolonisierte er auf vier Reisen immer neue Gebiete. Doch um ein Haar wäre der Seefahrer einer Meuterei zum Opfer gefallen.

Nach 42 Tagen Überfahrt, am 12. Oktober 1492 um drei Uhr morgens, erreichte die Santa Maria unter dem Kommando von Christoph Columbus den amerikanischen Kontinent - oder besser, was man dafür hielt: Es handelte sich in Wirklichkeit um die Insel Guanahani der Bahama-Gruppe, die für die spanische Krone in Besitz genommen und auf den Namen San Salvador getauft wurde.

Es war eine Entdeckung in letzter Not. Keine zwei Tage später und Christoph Columbus wäre mit Sicherheit nur eine Randnotiz der Geschichte geblieben. Niemand glaubte dem Kommandanten mehr, seit er mit einer Flotte von drei Schiffen am 3. August 1492 in einer Nacht und Nebel Aktion den Hafen von Los Palos de la Frontera verlassen hatte. Ihr vorgegebenes Ziel lautete, auf dem Westweg nach Indien zu segeln. An Bord befanden sich nur ein Haufen von Kriminellen und Strauchdieben, denen man Straffreiheit versprochen hatte, wenn sie sich auf den Pakt einließen, an das gefürchtete "Ende der Welt" zu segeln.

Nur war es mit der Disziplin und der Geduld dieser Mannschaft nicht sonderlich gut gestellt. Columbus wusste dies sehr genau, weshalb er von Beginn der Reise an zwei Logbücher führte: Ein geheimes mit den tatsächlichen Etmalen und ein offizielles für die Mannschaft, in dem die Geschwindigkeit des Schiffes stark untertrieben wurde. Dass dieses Täuschungsmanöver gelang, lag letztlich auch an den miserablen Segeleigenschaften der Santa Maria. Der behäbige Rumpf mit viel Tiefgang leckte wie ein Sieb. Zwischen den maroden Planken drang das Wasser permanent ein. Je länger die Fahrt dauerte, desto gereizter wurde die Stimmung an Bord. Offen redeten die Männer über die Art und Weise, wie sie sich des ungeliebten Kapitäns entledigen konnten.

Ein Büschel Seegras schließlich war es, dem Christoph Columbus sein Leben verdankte. Ein Matrose hatte es vom Bug der Santa Maria aus entdeckt - das untrügliche Zeichen für Landnähe. Und als auch noch ein Seevogel seine Kreise über der Santa Maria drehte, kippte die Stimmung zugunsten Columbus. Wenige Wochen später rächte sich die anhaltenden Disziplinlosigkeit der Mannschaft: Am 25. Dezember 1492 lief die Santa Maria auf eine weithin sichtbare Sandbank auf. Die Matrosen hatten sich schlafen gelegt und einem unerfahrenen Schiffsjungen das Ruder übergeben.

Segeln 6/2005

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