Geschichten vom Segeln
in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift segeln

Der Admiral aus Sachsen

Er wähnte sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere, als ihm 1848 der Oberbefehl der neuen Reichsflotte Übertragen wurde. Er, der Sachse Rudolf Bromme, war Deutschlands mächtigster Mann auf See. Ein Traum, der aber nur drei Jahre währte.

„Die Marine. Eine gemeinverständliche Darstellung des Seewesens für Gebildete alter Stände". Mit diesem 1848 erschienenen Standardwerk empfahl sich ein Mann für höhere Aufgaben, der von Geburt an eigentlich mit der Seefahrt nichts zu tun hatte. Karl Rudolf Bromme, geboren am 10. September 1804 in Anger bei Leipzig, wollte von Kind an zur See fahren. Im Alter von gerade zwölf Jahren besuchte er die Navigationsschule in Hamburg, um mit 14 in die Handelsmarine einzutreten. Anschließend fuhr er hauptsächlich auf amerikanischen Handelsschiffen, wechselte dann zur chilenischen Kriegsmarine und diente seit 1827 in der griechischen Kriegsmarine. Von seiner eigenen Internationalität offensichtlich fasziniert, nannte sich der Offizier fortan nur noch Rudolf Brommy.

Noch in Athen stellte er im erwähnten Buch die verhängnisvolle Frage: " Was einst Preußens großer Churfürst vermochte, sollte das im 19. Jahrhundert dem künftigen deutschen Willen nicht möglich sein?" Worte, die ihre Wirkung nicht verfehlten. Prompt wurde Brommy im September 1848 in die Technische Marinekommission nach Frankfurt berufen, wo er fortan am Aufbau der Reichsflotte mitwirkte.

Schon im Sommer 1848 war in Hamburg aus freiwilligen Spenden eine kleine Kriegsflotte aufgebaut worden. Aus ihrem Bestand gingen die Dampfkorvetten Bremen, Hamburg und Lübeck an die Reichsflotte über. Drei Raddampfer wurden in England zugekauft sowie zwei ehemalige Postschiffe von der Cunard Line. Bis auf eines waren alle Schiffe hölzerne Raddampfer mit Segeltakelage. Und Brommy war - als Begründer und Chef der Flotte - der mächtigste Deutsche zur See.

Tragisch nur, dass der Bundestag in Frankfurt am 2. April 1852 beschloss, die Flotte wieder aufzulösen. Es gab nämlich nach dem Friedensschluss mit Dänemark keinen Grund mehr, die kostspielige Kriegsflotte zu behalten. Brommy erhielt den Befehl, alle Schiffe der Flotte in Bremerhaven zusammenzuziehen. Um den Verkauf des Inventars und der Schiffe sollte sich jetzt ein Militärausschuss kümmern. Brommy hatte allerdings bei seiner Entlassung noch einen Wunsch: "Einst soll diese Flagge, welche ich so glücklich war den Feinden des Vaterlandes auf unserer deutschen Marine entgegenzuführen, meine irdischen Reste im kühlen Grabe schützend umhüllen.  "In Kirchhammelwarden wurde er nach seinem Tod am 9. Januar 1860 beigesetzt.

segeln 7/2005

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